ANHANG II VO (EU) 2026/481

ANHANG V

TEIL 1:
BEGRIFFSBESTIMMUNGEN

1.
Begriffsbestimmungen

Für die Zwecke dieses Anhangs gelten folgende Begriffsbestimmungen:
1.1.
„AVP-Fahrt” bezeichnet die Überprüfung aller für eine AVP-Aktivierung sicherheitsrelevanten Voraussetzungen im AVP-Merkmal, die anschließende Durchführung der dynamischen Fahraufgabe (DDT) und die AVP-Deaktivierung.
1.2.
„Übergangsort” bezeichnet einen ausgewiesenen Bereich innerhalb der ODD, der für die Aktivierung bzw. Deaktivierung des AVP-Merkmals geeignet ist.
1.3.
„Kleinstes relevantes Objekt” bezeichnet den kleinsten gefährdeten Verkehrsteilnehmer, den das AVP-Merkmal bei der Durchführung der dynamischen Fahraufgabe erkennen und auf den es reagieren kann.
1.4.
„Sicherheitsabstand” bezeichnet den Abstand eines Objekts, auf das das AVP-Merkmal angemessen reagieren muss, wobei die Reaktion auf vordere, seitliche oder hintere Objekte je nach Abstand variieren kann.
1.5.
„Permanentes Objekt” bezeichnet ein unbewegliches Objekt innerhalb der ODD.
1.6.
„Statisches Objekt” bezeichnet ein bewegliches Objekt innerhalb der ODD, das sich aber im relevanten Betrachtungszeitraum nicht bewegt.
1.7.
„Dynamisches Objekt” bezeichnet ein Objekt innerhalb der ODD, das sich im Längs- und Querverkehr bewegt und bei dem es sich insbesondere um einen gefährdeten Verkehrsteilnehmer, ein anderes manuell angetriebenes oder vollautomatisiertes Fahrzeug handeln kann.

TEIL 2:
LEISTUNGSANFORDERUNGEN

2.
Allgemeine Anforderungen

2.1.
Das AVP-Merkmal muss in der Lage sein, die DDT gemäß den Spezifikationen und innerhalb der Grenzen seiner eingeschränkten ODD durchzuführen.
2.2.
Das AVP-Merkmal muss so ausgelegt sein, dass während des Betriebs durch die ODD keine negativen Auswirkungen auf die Sicherheit und den Verkehrsfluss verursacht werden.
2.3.
Die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs mit aktiviertem AVP-Merkmal darf 30 km/h nicht überschreiten und ist vom Hersteller auf der Grundlage der Besonderheiten der ODD (einschließlich geltender Geschwindigkeitsbegrenzungen und schmaler Parkfläche) anzugeben.
2.6.
Der Hersteller bleibt allein verantwortlich für die Einhaltung der Anforderungen dieses Anhangs, unabhängig von Dritten, die an der Inbetriebnahme oder dem Betrieb des AVP-Merkmals beteiligt sind.
2.7.
Stützt sich das AVP-Merkmal auf die fahrzeugexternen Informationen, so müssen die Verfügbarkeit, Kompatibilität und Sicherheit dieser Informationen während des Betriebs des AVP-Merkmals gewährleistet sein.
2.8.
Wenn das Fahrzeug mit anderen ADS-Merkmalen ausgestattet ist, muss eine sichere Interaktion zwischen dem AVP-Merkmal und anderen ADS-Merkmalen gewährleistet sein.
2.9.
Sind Fahrzeuginsassen zugelassen, während das AVP-Merkmal aktiv ist, so müssen gemäß der ODD-Beschreibung des AVP-Merkmals geeignete Maßnahmen gegen eine vorhersehbare Fehlanwendung durch die Fahrzeuginsassen getroffen werden.
2.10.
Sind Fahrzeuginsassen nicht zugelassen, während das AVP-Merkmal aktiv ist, so muss das AVP-Merkmal gemäß der ODD-Beschreibung des AVP-Merkmals so ausgelegt sein, dass es nur funktionieren kann, wenn sich im Fahrzeug keine Person und kein Tier befindet.
2.11.
Die Lenkanlage des mit einem AVP-Merkmal ausgestatteten Fahrzeugs mit dualem Fahrmodus muss der UN-Regelung Nr. 79 Änderungsserie 04 oder einer späteren Änderungsserie entsprechen.

Die Bremsanlage des mit einem AVP-Merkmal ausgestatteten Fahrzeugs mit dualem Fahrmodus muss der UN-Regelung Nr. 13 Änderungsserie 13 oder einer späteren Änderungsserie, oder gegebenenfalls der UN-Regelung Nr. 13H Änderungsserie 01 oder einer späteren Änderungsserie entsprechen.

3.
Anforderungen an die Aktivierung und Deaktivierung von AVP-Merkmalen

3.1.
Die Aktivierung und Deaktivierung von AVP-Merkmalen in Standardszenarien darf nur an Übergangsorten oder auf Parkplätzen möglich sein.
3.2.
Alle Bedingungen für die Aktivierung und Deaktivierung von AVP-Merkmalen sind anhand der Bedingungen der festgelegten ODD zu überprüfen (gegebenenfalls einschließlich des Vorhandenseins oder Nichtvorhandenseins von Fahrzeuginsassen, Parkplätzen oder Übergangsorten, die für das Ein- und Aussteigen in das bzw. aus dem Fahrzeug geeignet sind).
3.3.
Deaktivierung des AVP-Merkmals
3.3.1.
Nachdem das AVP-Merkmal die AVP-Fahrt erfolgreich abgeschlossen hat, indem es entweder einen Übergangsort oder einen Parkplatz innerhalb der ODD erreicht hat, muss es das Fahrzeug automatisch anhalten, es in diesem stationären Zustand halten und sich deaktivieren.
3.3.2.
Das AVP-Merkmal muss aktiv bleiben, bis das vom System oder Benutzer eingeleitete Deaktivierungsverfahren abgeschlossen ist oder das Fahrzeug einen MRC erreicht.
3.3.3.
Falls bei der Deaktivierung des AVP-Merkmals anwendbar, müssen die Bedienelemente, Anzeiger, Warnhinweise und Kontrollleuchten automatisch in einen für manuelles Fahren geeigneten Zustand gebracht und die Quer- und Längssteuerung muss wieder auf den Fahrer übertragen werden, ohne dass eine kontinuierliche Steuerungshilfe aktiv ist.

4.
DDT unter Standardszenarien

4.1.
Fahrpfadplanung und Geschwindigkeit
4.1.1.
Die Besonderheiten der ODD (gegebenenfalls einschließlich enger Kurvenradien, Rampen und Einfädeln) sind durch eine angemessene Planung und Auswahl des Fahrpfads zu regeln.
4.1.2.
Das AVP-Merkmal muss Umweltauswirkungen minimieren, indem ein effektiver und effizienter Fahrpfad geplant wird, um Übergangsorte zu erreichen.
4.1.3.
Das AVP-Merkmal muss stets einen sicheren Abstand zu anderen Verkehrsteilnehmern oder Objekten auf der Grundlage des kleinsten relevanten Objekts wahren und seine Geschwindigkeit vorausschauend anpassen. Der Sicherheitsabstand, die jeweilige Höchstgeschwindigkeit gemäß Nummer 6.1 und das kleinste relevante Objekt sind vom Hersteller anzugeben.

5.
DDT unter kritischen Szenarien (Notbetrieb)

5.1.
Abweichend von Anhang III Teil 1 Nummern 1.4.1, 1.4.2 und 1.4.3 muss das AVP-Merkmal alle Zusammenstöße mit Verkehrsteilnehmern oder Hindernissen vermeiden, die die Fahrtrichtung des Fahrzeugs schneiden, queren oder sich auf ihr befinden.

6.
DDT bei ODD-Grenzen

6.1.
Die unmittelbare Überführung in den MRC erfolgt im Falle einer festgestellten Fehlbedienung und wenn beim Fahrzeug ein Schaden erkannt wird.
6.2.
Wenn das Fahrzeug mit AVP-Merkmal nur die ODD zu verlassen scheint (z. B. aufgrund einer vorübergehenden Ungenauigkeit in der geografischen Lokalisierung des Fahrzeugs) und anschließend erneut bestätigt wird, dass es sich innerhalb der ODD-Grenzen befindet, wird dies nicht als Grund für einen MRC angesehen, und eine sofortige Fortsetzung der AVP-Fahrt ist möglich.
6.3.
Das Fahrzeug kann den MRC verlassen, wenn es in den manuellen Fahrmodus geschaltet und von einem Fahrer gefahren wird.

7.
Betriebshandbuch

Die folgenden Aspekte sind im Betriebshandbuch zu behandeln und umzusetzen:
7.1.
Alle für einen sicheren AVP-Betrieb notwendigen Rollen sind zu definieren inklusive Benennung der jeweiligen Verantwortlichen und Zuweisung der organisatorischen und technischen Aufgaben.
7.2.
Alle Rollenzuweisungen sind im Betriebshandbuch zu dokumentieren.
7.3.
Das Betriebshandbuch muss Strategien für unerwartete Vorfälle enthalten.
7.4.
Das Betriebshandbuch muss Überlegungen zu den Änderungen der ODD während des Betriebs des AVP-Merkmals enthalten. Es ist ein Verfahren festzulegen und aufzunehmen, um die Bewertung der geplanten Änderungen sicherzustellen.

TEIL 3:
ÜBERPRÜFUNG DER KONFORMITÄT

8.
Prüfungen

8.1.
Allgemeine Bestimmungen
8.1.1.
Testfälle zur Überprüfung des AVP-Merkmals müssen alle AVP-Funktionen umfassen.
8.1.2.
Es sind die in Nummer 8.2 dieses Anhangs beschriebenen Szenarien anzuwenden. Der Hersteller wählt relevante Szenarien auf der Grundlage der ODD des AVP-Merkmals aus.
8.1.3.
Die Pass/Fail-Kriterien für die Bewertung der Sicherheit des AVP-Merkmals sind von der Genehmigungsbehörde auf der Grundlage der in Anhang II enthaltenen Anforderungen, der in Anhang III Teil 1 beschriebenen Szenarien sowie dieses Anhangs festzulegen.
8.2.
Testszenarien zur Bewertung der Leistung des AVP-Merkmals

Diese Liste von Szenarien in den Nummern 8.2.1 bis 8.2.7 enthält Grundtestfälle, die auf der Grundlage der ODD auszuwählen und an diese anzupassen und zur Prüfung der Konformität des AVP-Merkmals des ADS zu verwenden sind.

Auf Verlangen der Genehmigungsbehörde müssen zusätzliche Szenarien, die Teil der ODD sind, durchgeführt werden.

Die in den Nummern 8.2.1 bis 8.2.7 aufgeführten Szenarien umfassen mehrere aufeinanderfolgende einzelne Testschritte. Diese einzelnen Testschritte können nacheinander durchgeführt werden, ohne dass die AVP-Fahrt abgebrochen bzw. für jeden dieser Testschritte ein neuer AVP-Fahrauftrag erteilt werden muss.

8.2.1.
AVP-Übergabe und -Übernahme
8.2.1.1.
Einparkmanöver (Übergabe und Parken)

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal in der Lage ist, eine AVP-Fahrt vom Übergangsort zum vorgesehenen Parkplatz durchzuführen.

Voraussetzungen: Das mit AVP-Merkmal ausgestattete Fahrzeug wird am Übergangsort abgestellt.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Erstellen eines AVP-Fahrauftrags.

    Schritt 2: Durchführung der AVP-Fahrt.

    Schritt 3: Warten, bis AVP-Fahrt beendet.

8.2.1.2.
Rückgabe an Nutzer (Übernahme)

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal in der Lage ist, eine AVP-Fahrt vom Parkplatz zu einem Übergangsort durchzuführen.

Voraussetzung: Das Fahrzeug mit AVP-Merkmal ist auf einem Parkplatz abgestellt.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Erstellen eines AVP-Fahrauftrags.

    Schritt 2: Durchführung der AVP-Fahrt.

    Schritt 3: Warten, bis AVP-Fahrt beendet.

8.2.2.
Übersteuerung und Deaktivierung des Systems
8.2.2.1.
Deaktivierung außerhalb des Fahrzeugs

Der Test soll die Möglichkeit der Übersteuerung oder der Deaktivierung des Systems außerhalb des mit einem AVP-Merkmal ausgestatteten Fahrzeugs demonstrieren.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Übersteuerung durchführen.

    Schritt 2: Den MRC verlassen.

8.2.2.2.
Übersteuerung oder Deaktivierung im Inneren des Fahrzeugs

Der Test soll die Möglichkeit der Übersteuerung oder der Deaktivierung des Systems aufgrund von Eingriffen in die Fahrausrüstung oder der Betätigung von Bedienelementen durch eine Person im Innern des Fahrzeugs demonstrieren.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Der Eingriff muss mit einer entsprechenden Fahrausrüstung oder Betätigungseinrichtung erfolgen.

    Schritt 2: Die DDT ist gemäß der vom Hersteller angegebenen Strategie fortzusetzen.

8.2.3.
Kollisionsvermeidung
8.2.3.1.
Beginn der AVP-Fahrt

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal in der Lage ist, Objekte im Nahbereich des Fahrzeugs zu erkennen und darauf so zu reagieren, dass das Fahrzeug daran gehindert wird, die AVP-Fahrt zu beginnen.

Voraussetzung: Das Fahrzeug befindet sich an einem Übergangsort oder auf einem Parkplatz, und die AVP-Funktion ist aktiviert.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Das kleinste relevante Objekt wird um das Fahrzeug herum platziert.

    Schritt 2: Das kleinste relevante Objekt wird entfernt.

8.2.3.2.
Kleinstes relevantes Objekt auf dem Fahrpfad des Fahrzeugs mit AVP-Merkmal

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal in der Lage ist, das kleinste relevante Objekt entlang des Fahrpfads zu erkennen, davor anzuhalten und weiterzufahren, falls der beabsichtigte Fahrpfad wieder frei ist.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

Schritt 1: Das kleinste relevante Objekt wird an allen folgenden Stellen auf dem beabsichtigten Fahrpfad des Fahrzeugs platziert. Die Genehmigungsbehörde kann Tests mit zusätzlichen Bedingungen verlangen.

a)
Schritt 1 wird mit dem kleinsten relevanten Objekt auf folgende Weise durchgeführt (falls zutreffend):

i)
es wird mittig auf dem beabsichtigten Fahrpfad mindestens eine Fahrzeuglänge vom Parkplatz entfernt platziert;
ii)
es wird mittig auf dem beabsichtigten Fahrpfad hinter einer Kurve platziert;
iii)
es wird im oberen Bereich (zwischen 0 Meter und 1 Meter nach Beginn der konstanten Steigung) einer Abwärtsrampe platziert;
iv)
es wird auf der Ebene hinter einer einer Abwärtsrampe (zwischen 0 Meter und 1 Meter nach Beginn des flachen Fahrbereichs) platziert;
v)
es wird mittig auf einem Parkplatz platziert;
vi)
es wird im unteren Bereich (zwischen 0 Meter und 1 Meter nach Beginn der konstanten Steigung) einer Aufwärtsrampe platziert;
vii)
es wird auf der Ebene hinter einer Aufwärtsrampe (0 Meter bis 1 Meter nach Beginn des flachen Fahrbereichs) platziert;
viii)
es wird mittig auf dem beabsichtigten Fahrpfad hinter einer Kurve auf einer Rampe platziert.

Schritt 2: Das kleinste relevante Objekt wird entfernt.

8.2.3.3.
Statische oder dynamische Objekte neben dem beabsichtigten Fahrpfad des Fahrzeugs mit AVP-Merkmal

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal in der Lage ist, ein Objekt, das sich neben dem Fahrpfad befindet, zu erkennen und die Geschwindigkeit des Fahrzeugs entsprechend anzupassen.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist sowohl für statische als auch für dynamische Objekte in folgenden Schritten durchzuführen:

Erster Schritt für statische Objekte: Das statische Objekt wird in einem geringeren Abstand als dem zulässigen Sicherheitsabstand zur Seite des Fahrkorridors platziert, bevor sich das mit AVP-Merkmal ausgestattete Fahrzeug nähert.

Erster Schritt für ein dynamisches Objekt: Das dynamische Objekt wird parallel zu dem Fahrzeug mit AVP-Merkmal in einem seitlichen Abstand, der geringer ist als der seitliche Reaktionsabstand, bewegt, während sich das Fahrzeug nähert.

Zweiter Schritt für statische und dynamische Objekte: Im Falle eines Anhaltens des Fahrzeugs durch das AVP-Merkmal aufgrund des statischen und/oder dynamischen Objekts wird das Objekt entfernt.

8.2.3.4.
Dynamische Objekte

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal in der Lage ist, einen Zusammenstoß mit vollständig oder unvollständig sichtbaren dynamischen Objekten zu vermeiden.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist für dynamische Objekte, die den Fahrpfad des Fahrzeugs queren oder sich ihm seitlich nähern oder ihm entgegenkommen in folgenden Schritten durchzuführen:

Erster Schritt für die Querung des Fahrpfads: Ein dynamisches Objekt quert von außerhalb des Fahrpfads den Fahrpfad des Fahrzeugs mit AVP-Merkmal vor dem fahrenden Fahrzeug, sodass ein hohes Kollisionsrisiko besteht.

Erster Schritt für die seitliche Annäherung an die Fahrzeugflanke: Ein dynamisches Objekt bewegt sich von außerhalb des Fahrpfads in die Fahrzeugflanke des Fahrzeugs mit AVP-Merkmal, sodass ein hohes Kollisionsrisiko besteht.

Erster Schritt für die Annäherung an das Fahrzeug von vorne: Ein dynamisches Objekt bewegt sich entgegen der Fahrtrichtung auf das Fahrzeug mit AVP-Merkmal zu.

Zweiter Schritt: Das dynamische Objekt wird entfernt.

8.2.4.
Einhaltung der Verkehrsregeln
8.2.4.1.
Ausfahren aus einem Parkplatz

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal beim Ausparken die Vorfahrt beachtet.

Voraussetzung: Das Fahrzeug mit AVP-Merkmal steht an einem Übergangsort oder auf einem Parkplatz, während ein anderes Fahrzeug bereit ist, die Vorfahrt einzufordern.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Es wird ein AVP-Fahrauftrag abgesetzt und das AVP-Merkmal wird aktiviert.

    Schritt 2: Das andere Fahrzeug fährt so los, dass es das Fahrzeug mit AVP-Merkmal zu dem Zeitpunkt passiert, zu dem dieses aus dem Parkplatz ausfahren würde.

    Schritt 3: Das andere Fahrzeug wird an dem Fahrzeug mit AVP-Merkmal vorbei- und weggefahren.

8.2.4.2.
Gewährung der Vorfahrt

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal in der Lage ist, in Einmündungs-, Kreuzungs- oder Einfädelbereichen anzuhalten oder die Vorfahrt zu gewähren, allgemein die Vorfahrtsregeln einhält und andere Fahrzeuge berücksichtigt, die sich diesen Bereichen nähern.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal und nähert sich einem Einmündungs-, Kreuzungs- oder Einfädelbereich; ein anderes Fahrzeug steht bereit, um Vorfahrt einzufordern.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Das andere Fahrzeug muss etwa zur gleichen Zeit wie das mit einem AVP-Merkmal ausgestattete Fahrzeug den Einmündungs-, Kreuzungs- oder Einfädelbereich erreichen.

    Schritt 2: Das andere Fahrzeug fährt weiter durch den Einmündungs-, Kreuzungs- oder Einfädelbereich.

8.2.5.
Aktivierung des AVP-Merkmals
8.2.5.1.
Bereitstellung von Informationen durch externe Infrastruktur nicht für das AVP-Merkmal geeignet

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal im Falle einer ungeeigneten Bereitstellung von Informationen durch externe Infrastruktur nicht aktiviert wird.

Voraussetzung: Am Übergangsort abgestelltes Fahrzeug mit AVP-Merkmal, das über eine ungeeignete Bereitstellung von Informationen durch externe Infrastruktur verfügt.

Das Szenario ist folgendermaßen durchzuführen:

    Schritt 1: Ein AVP-Fahrauftrag wird abgesetzt.

8.2.6.
System zur Umfelderfassung
8.2.6.1.
Umfeldverdeckung des Sensors

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal sicher auf Verdeckungen des Sichtfelds reagiert.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Die Sensoren, die den tatsächlichen Fahrpfad des Fahrzeugs überwachen, werden abgedeckt.

    Schritt 2: Die Umfeldverdeckung des Sensors wird entfernt.

8.2.6.2.
Besondere Objekte

Der Test soll demonstrieren, dass die Einschränkungen der Sensoren, die für die Objekt- und Ereigniserkennung (OEDR) im AVP-Merkmal verwendet werden, angemessen ausgeglichen werden, um die sichere Ausführung der DDT zu gewährleisten.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Objekte, die für die Prüfung der Grenzen der AVP-Sensoren relevant sind (z. B. mit einer sehr homogenen Oberfläche, schwachem Kontrast zum Hintergrund, Reflektivität usw.), werden nach dem Zufallsprinzip im Fahrpfad des Fahrzeugs platziert.

    Schritt 2: Hat das Fahrzeug angehalten, wird das betreffende Objekt entfernt.

8.2.7.
Fehlerszenarien
8.2.7.1.
Kritischer Ausfall der drahtlosen Verbindung zwischen AVP-Merkmal und externer Infrastruktur

Der Test soll demonstrieren, dass ein Ausfall der drahtlosen Verbindung sicher bewältigt wird.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist in folgenden Schritten durchzuführen:

    Schritt 1: Funksignale werden unterbrochen.

    Schritt 2: Falls erforderlich, warten, bis das AVP-Merkmal die Unterbrechung der Funkverbindung als dauerhaften Verlust der drahtlosen Verbindung interpretiert.

8.2.7.2.
Fehlfunktions eines Erfassungssensors

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal Fehler von Sensoren erkennt, die für die OEDR (Sensoren im Fahrzeug und/oder in der externen Infrastruktur) erforderlich sind, und angemessen darauf reagiert.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist folgendermaßen durchzuführen:

    Schritt 1: Die Datenverbindung eines Sensors, der für die OEDR auf dem tatsächlichen Fahrpfad des Fahrzeugs relevant ist, wird unterbrochen.

8.2.7.3.
Fehler in der externen Infrastruktur

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal Fehler in der externen Infrastruktur erkennt und angemessen darauf reagiert.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist folgendermaßen durchzuführen:

    Schritt 1: Es wird ein kritischer Fehler in der externen Infrastruktur künstlich herbeigeführt.

8.2.7.4.
Fehler im Fahrzeug

Der Test soll demonstrieren, dass das AVP-Merkmal Fehler im Fahrzeug erkennt und angemessen darauf reagiert.

Voraussetzung: Das Fahrzeug fährt mit aktiviertem AVP-Merkmal.

Das Szenario ist folgendermaßen durchzuführen:

    Schritt 1: Es wird eine künstliche Manipulation, die ein für AVP-Merkmale relevantes Fahrzeugsystem deaktiviert oder einen Fehler eines solchen Systems verursacht, ist herbeigeführt.

(*)(**)(***)

Folgender Wortlaut wird als Anhang V der Durchführungsverordnung (EU) 2022/1426 angefügt:

© Europäische Union 1998-2021

Tipp: Verwenden Sie die Pfeiltasten der Tastatur zur Navigation zwischen Normen.